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Werkeinführung
1705 nahm der zwanzigjährige Johann Sebastian Bach, damals Organist in Arnstadt,
für einen Monat Urlaub, um nach Lübeck zu Dieterich Buxtehude zu reisen. Auf
diese Idee kam zwei Jahre zuvor auch schon Johann Mattheson in Begleitung von
Georg Friedrich Händel. Offensichtlich handelte es sich bei Buxtehude um einen
sehr bedeutenden Komponisten, der sich mit zahlreichen seiner Werke einen großen
Namen gemacht hat.
Eines dieser Werke entstand 25 Jahre früher. Der
siebenteilige Passionskantaten-Zyklus „Membra Jesu nostri“ wurde 1680
komponiert. Jede Kantate befasst sich mit einem anderen Körperteil von Jesus,
von den Füßen aufsteigend bis zum Gesicht. Fast jede Kantate ist nach einem
damals tradierten Muster aufgebaut, in dem Arien-Sätze, gesungen von Solisten
oder einem Solistenensemble von einem sich wiederholenden, polyphonen Concerto-
Satz, gesungen vom Chor, eingerahmt werden. Die fünfte und sechste Kantate, der
Brust und dem Herzen gewidmet, sind rein solistisch besetzt. Der sechsten
Kantate fällt eine weitere Sonderstellung zu. Sie ist mit fünf Gamben besetzt,
die, wenn es um das Herz Jesu geht, einen besonders intimen, feinen Klang als
neue Farbe bringen. Die Viola da gamba ist heute ein selten gespieltes
Instrument und so war es schon lange üblich, bei der Besetzung dieser
Instrumente zu improvisieren. Für dieses Konzert wurde ein fünfstimmiges
Streicherensemble gewählt, das von zwei Viole d’amore angeführt wird. Die
Besonderheit und Alleinstellung der Kantate bleiben so erhalten.
Ubi
caritas ist eine Antiphon (Wechselgesang) aus der Liturgie des Gründonnerstags
und wurde im Mittelalter bis zur Liturgiereform des 20. Jahrhunderts während der
Fußwaschung gesungen.
Der norwegische Komponist Ola Gjeilo hat das Ubi
caritas einmal mit einem Ausschnitt aus der ersten, dann aus der fünften und
schließlich der zwölften Strophe des dazugehörigen Hymnus verbunden. Der
mittelalterliche Ursprung der Antiphon ist auch bei Gjeilo noch erkennbar,
angereichert durch ein chorisches Klangbad mit langen Vorhalten.
Guido
Bauer
Vorschau
Samstag, 15. November 2026
Johannes Brahms: Ein deusches Requiem
Pauluskirche Ulm